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Schachgeschichte

Die Geschichte des Schachspiels

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse zur Geschichte des Schachspiels stammen aus dem persisch-arabischen Raum. Dort wird Indien als Ursprungsort des Schachspiels genannt. Der in Bagdad geborene und 956 in Kairo gestorbene Historiker Masudi erwähnt in seiner Genealogie der indischen Könige Bahlit als den Herrscher, der auf den Thron kam, als das Schachspiel erfunden wurde - 120 Jahre nach dem legendären König Porus. Die erste Erwähnung überhaupt liegt bei dem indischen Dichter Bana. Er verwendet die Bezeichnung Tschaturanga, was "vierteilig" bedeutete, aber auch eine Bezeichnung für das indische Heer war. Man vermutet, daß das Schachspiel vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. in Indien entstanden ist. Manche glauben, es sei schon vorher in China entstanden und von dort nach Indien gelangt. Der indische Ursprung gilt aber als der wahrscheinlichere. Von Indien hat sich das Spiel mit dem Namen Tschaturanga parallel nach Ostasien, wo es heute in Abarten ebenfalls lebendig ist, und nach Persien ausgebreitet. Der Erste Minister und Leibarzt des Sassanidenschahs Khosrau I. (531-599) soll das Spiel von einer Indienreise nach Persien mitgebracht haben. In der persischen Herrschaftskultur spielte das Spiel eine bedeutende Rolle, auch später nachdem Persien durch die Araber erobert und islamisiert wurde. Der Begriff Schach (für das Schachgebot) leitet sich von der Bezeichnung für den persischen Herrscher ab; die Figur, die für heute als Dame kennen, hieß Wesir nach dem wichtigsten Berater des Kalifen, was sich heute noch in der russischen Bezeichnung "Fers" widerspiegelt. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte bereitete sich das Spiel durch die ganze arabische Welt aus. Die ersten berühmt gewordenen Schachmeister waren Araber (As-Suli) und ersten Wettkämpfe wurden gespielt. In den "Mansuben" wurden lehrhafte Kombinationen und Endspiele aufgezeichnet. Es gab Berufsspieler, eine Einteilung in Spielstärkegruppen und Schachliteratur. Bis zum 15. Jahrhundert waren die Araber führend in der Schachkultur.

In Europa war das Schachspiel spätestens seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Die früheste Erwähnung gibt es in einem spanischen Testament aus dem Jahre 1010. Dort werden der Kirche wertvolle Schachfiguren vermacht. Das Schriftstück befindet sich heute im Arragonischen Archiv in Barcelona. Vermutlich ist das Spiel schon um einiges früher durch die arabischen Eroberer über Sizilien und Spanien nach Europa gelangt. Auch die Wikinger, die mit den Arabern im Mittelmeer Kontakt hatten, könnten bei der Verbreitung eine Rolle gespielt haben. Als die Normannen 1066 nach England übersetzten, sollen sie auch Schachspiele mitgeführt haben. Und im Jahr 1831 hat man auf der Hebrideninsel Lewis Schachfiguren aus dem 12. Jahrhundert ausgegegraben, die unterschiedlich aussahen als die, die aus gleicher Zeit aus dem südeuropäisch-arabischen Raum bekannt waren.

Das Schachspiel, das die Araber nach Europa einführten, war ganz anders und wurde nach anderen Regeln gespielt als heute. Insgesamt war es langsamer und strategischer. Die Rochade gab es nicht, die Figuren waren kurzschrittiger, Patt wurde als gewonnen gewertet, etc. Im Laufe des 15 Jahrhunderts setzte allmählich eine Reform ein, die das Spiel lebendiger machen sollte und ganz langsam entstanden die Regeln, die auch heute noch gelten. Als letztes etablierte sich die "En-passant-Regel", die zwar seit dem 15. Jahrhundert bekannt war, aber erst seit 1880 allgemein anerkannt ist.

Bei der Enstehung des modernen Wettkampf- und Turnierschachs spielen die Schachcafes eine besondere Rolle, namentlich das in Paris vom Herzog von Orléans als Prinzregent gegründete Café de la Régence. Dieses Café besaß einen fest angestellten Schachmeister, der auf Wunsch gegen die Gäste antrat. Berühmt ist Kermur Sire de Légal (1702-1792), der Lehrer Philidors. Nicht nur in England bildeten sich im 19. Jahrhundert die ersten Schachvereine. Als ältester Schachverein, der ununterbrochen besteht, gilt die Schachgesellschaft Zürich von 1809. Im Jahre 1924 wurde auf Initiative des Präsidenten der französischen Schachföderation, Pierre Vincent, der Weltschachverband, die FIDE (Fédération Internationale des Échechs) gegründet. Von 1946 bis 1993 hatte die FIDE die Organsation des Weltmeistertitels inne. Vorher war dieser Titel Privatbesitz und seit 1993 ist die Situation strittig. Weltmeister Kasparov gründete 1993 eine Organisation zur besseren Vermarktung des Titels, PCA. Bis 1998 hat er seinen Titel gegen Short (1993) und Anand (1995) jeweils verteidigt, bis es Vladimir Kramnik im Jahr 2000 gelang, ihm diesen streitig zu machen. Die FIDE führt parallel ebenfalls Weltmeisterschaften durch. Titelinhaber ist dort, nach u. A. Karpow (1993), Khalifman (1999) und Anand (2000), Ruslan Ponomariov.