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Gedenken an Harald Brainin

Im Angedenken an Harald Brainin, von Werner Rumpf

Weiß gewinnt

Se5 Kf8 Kf2 Ke8 La5 Ke7 Ke3 Kd6 Kd4 Sc7 Lb4++

Erinnerung an Harald Brainin (1923-2006)

Als ich ihn zum letzten Mal anläßlich seiner letzten Lesung Anfang Juli traf, sah er schon sehr mitgenommen aus, aber ich machte mir trotzdem keine Sorgen, denn daß Harald einmal nicht mehr da sein würde, konnte ich mir einfach nicht vorstellen.
Jetzt ist es doch geschehen; Anfang September ist unser lieber Freund gestorben.
Viel, und nicht nur Angenehmes, hat er in seinem Leben gesehen: Verfemung und Verfolgung aufgrund seiner jüdischen Herkunft, einen Weltkrieg, Exil und die schweren Nachkriegsjahre.
Trotzdem war es ein erfülltes Leben durch eine spannende Karriere als Journalist, durch seine Söhne und Enkelkinder, auf die er immer so stolz war und nicht zuletzt durch seine meisterliche Dichtkunst, die alle Facetten seiner Persönlichkeit widerspiegelte.
Einen Gedichtband hat er uns als Abschiedsgeschenk hinterlassen, in dem sich auch das folgende Gedicht findet, wo sich seine Poesie auf das Vergnüglichste mit seinem Schachwissen verbindet:

Es zog der König weiland aus
Den Rittersmann zu retten,
Es dauert ihn der edle Held
Er schmachtete in Ketten.

Mit ihm zusammen wollte er
Der Übermacht dann wehren
Zu seinen und des Lehensmanns
Gemeinsam Ruhm und Ehren.

Der König eilt, vom Feind bedrängt,
Fünf Tage und fünf Nächte,
Dass er dem Freund zur rechten Zeit
Noch seinen Beistand brächte.

Der Feind – er folgt ihm auf dem Fuß,
Tät ihm den Weg versperren,
Der König durch die Bresche dringt
Er lässt sich’s nit verwehren.

Kämpft sich heran mit grimmem Mut
Wohl an die ferne Ecke,
In der gefangen seiner harrt
Der unbeugsame Recke.

Und dieser, mit gewalt’gem Sprung
Entweicht aus seinem Kerker.
Er kniet und dankt dem Könige:
Die Treue, die war stärker.

Doch in der Stunde des Triumphs
Kommt just der Feind, wie bitter!
Und schlägt sie alle beide tot,
Den König und den Ritter.

So hat am Ende sich erfüllt
Die Tragik des Geschickes,
Wie es im Voraus war bestimmt
Vom Autor dieses Stückes.