Schach Ausschreibungen News Internes Zum Schmunzeln Gästebuch Download Links
Startseite Zum Schmunzeln Anekdoten

Zum Schmunzeln


Sprüche und Zitate Gedichte Anekdoten

Impressum Kontakt

Anekdoten

Logisch oder unlogisch?
 
Bogoljubow und Tartakower sollten einmal in einem Gästebuch ihre Liebe zum Schachspiel begründen. Bogoljubow schrieb: "Ich liebe das Schachspiel, weil es so logisch ist." Tartakower las dies und konnte natürlich der Verlockung nicht widerstehen: "Ich liebe das Schachspiel, weil es so unlogisch ist."

Louis XVI.

Louis XVI. spielte gerne Schach. Er umgab sich dabei mit holder Weiblichkeit um im Falle eines Partieverlustes stets auf die Ausrede „er sei von schönen Frauen abgelenkt worden“ zurückgreifen zu können.

Wunderkind

Im zarten Alter von 5 Jahren tauchte das polnische Wunderkind Samuel Reshewsky (geb. 26.11.1911) in Wien auf, wo er die Schachhonoratioren, gegen die er antrat, fast um ihren Verstand brachte. Diese sahen sich durch eine Serie von Niederlagen veranlasst, den Jugoslawischen Milan Vidmar, einer der ganz Großen seiner Zeit, gegen Samuel antreten zu lassen. In seinen Erinnerungen schildert Vidmar, der seinen kleinen Widerpart naturgemäß unterschätzte, seine Gefühle während der Partie: „Sehr bald fühle ich, dass mein Gegner eine eiserne Faust hatte. Er fing an, mich einzuschnüren, er drückte fester und fester ...“ Der Großmeister schaffte es, unter Einsatz seiner ganzen Erfahrung und Könnens, mit Müh und Not zu gewinnen. Da war der kleine Wunderknabe sein Köpfchen aufs Schachbrett und herzzerreißend. „Aber was hätte ich denn tun sollen?“ schreibt Vidmar. „Mich schlagen lassen?“

Spielen Sie auf eine Niederlage?

Taktische Friedensschlüsse gibt es wohl seit der Geburt des Schachs, in Verruf kamen sie anfangs der 70er, als das sowjetische Schach gegen den legendären Amerikaner Bobby Fischer antreten musste und alles daran setzte, diesen nicht hochkommen zu lassen. Die Sowjets schonten ihre Kräfte in den Partien gegeneinander, während sie gegen Bobby hart kämpften. Wer weiß? Vielleicht hat ihn gerade das so stark gemacht“

Für das Schachpublikum ist eine kämpferische Einstellung Balsam für seine Neugier, denn da gibt es was zu sehen. So freut es die alte Anekdote, die sich zwischen zwei Großmeistern abgespielt haben soll:
„Remis?“
„Nein!“
„Spielen Sie auf Sieg?“
„Nein!“
„Spielen Sie etwa auf einen Niederlage?“
„Nein!“
„Was wollen Sie dann?“
„Spielen!“

„Großmeister“ - Eine Erfindung von Zar Nikolaus II.

1914 übernahm der russische Zar die Schirmherrschaft des Internationalen Schachturniers zu St. Petersburg und bedachte die ersten fünf des Turniers, es waren Lasker, Capablanca, Aljechin, Tarrasch und Marshall mit dem Titel „Großmeister“. Unzählige Schachspieler kämpften und kämpfen seither um diese Würde die unter Schachpielern noch immer eine gewisse Ehrfurcht auslöst.



Die Weizenkornfalle

Wer hier an eine gefinkelte Variante, mit dem Ziel den Gegner ins Garaus zu locken, denkt, der irrt. Die Weizenkornfalle findet ihren Ursprung in den vielen Legenden, die sich um die Entstehung des Schachs ranken.

Irgendwann in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends regierte ein Despot Indien. Um ihn zu bekehren, erfand ein berühmter Brahmane seiner Zeit das Schachspiel, in dem der König ohne dem Schutz seiner Untertanen dem Untergang geweiht ist und höhere Ziele nur in koordinierten Aktionen aller Beteiligten erreicht werden können und oft ein sogenannt schwacher Bauer den Ausgang entscheidet. Das neu erfundene Schachspiel faszinierte und wandelte den Tyrannen, der am Beispiel des Schachs seine Verletzlichkeit erkannt und den Wert seiner Treuen neu zu schätzen lernte. Aus Dankbarkeit rief er den Brahmanen zu sich und versprach ihm einen Wunsch zu erfüllen.

Dieser stellte einen scheinbar bescheidenen Wunsch: Der Regent sollte ihm Weizenkörner schenken, und zwar so viele wie sich ergeben, wenn man ein Korn aufs erste Feld legt, am zweiten Feld die Anzahl verdoppelt, ebenso am dritten Feld, bis hin zum 64. und letzten Feld.
Und schon trat die Unendlichkeit des Schachs zu Tage: Indiens Getreidevorräte reichten nicht, um diese Bitte zu erfüllen, ja alle Vorräte der Welt konnten sie nicht erfüllen.

Wenn Sie sich der Mühe unterziehen und nachrechnen, dann kommen Sie zu der gigantischen Zahl von 18.446.744.073.709.551.615Körnern. In Worten: achtzehntrillionen-vierhundertsechsundvierzigbilliarden-siebenhundertvierundvierzigbillionen-dreiundsiebzigmilliarden-siebenhundertneunmillionen-fünfhunderteinundfünfzigtausendundsechshundertfünfzehn.
In der Literatur finden Sie auch einige bildliche Beispiele, z.B.: "Ein mit Körnern beladener Güterzug, der mit 20 Tonnen Weizen je Waggon beladen ist und mit 80 km/h an uns vorbefahren würde, bräuchte mehr als 700 Jahre um an uns vorbeizukommen."

Frühe Wettkämpfe

Im 16. Jahrhundert gab es bereits die ersten Berufsschachspieler, heute würde man sagen Profis, die von ihren Schachkünsten lebten, indem sie Bücher veröffentlichten oder vor Publikum gegen Entgeld oder hohen Einsatz spielten, meist Spieler aus Italien oder Spanien.

Der italienische Meister Leonardo da Cutri (ca. 1542-1587) hörte von den außerordentlichen Fähigkeiten des spanischen Meisters Ruy López und machte sich zum spanischen Königshof auf, um diesen zum Wettkampf herauszufordern. In Anwesenheit Phillips II verlor Leonardo nicht nur den Wettkampf, sondern auch an Selbstvertrauen, dass er aber kurz darauf durch einen Wettkampf gegen den stärksten portugiesischen Spieler, El Morro, den er gewann, wieder herstellen konnte. Wieder nach Italien zurückgekehrt, starb er in Neapel, angeblich von neidischen Rivalen vergiftet.

De LaBourdonnais gegen McDonnell

Der beste Spieler Frankreichs und der beste Spieler Englands trugen mehrere Wettkämpfe aus, um herauszufinden, wer der beste Spieler der Welt sei. Die Partien fanden im Jahr 1834 im Londoner Westminster Chess Club statt. Im Grunde war es die erste, wenn auch inoffizielle Weltmeisterschaft, denn den Titel gab es noch nicht.

Zu der Zeit gab es auch noch keine Bedenkzeitregelung, denn auch die Schachuhr war noch nicht erfunden. Jeder konnte über seinen Zug nachdenken so lange er wollte. Auch das Verhalten der Zuschauer war völlig anders als die Meister von heute es gewohnt sind - mehr so wie beim Fußball. Die beiden Meister saßen an einem Tischchen und die Zuschauer saßen oder standen unmittelbar und durch keine Vorrichtung abgetrennt darum herum. Es herrschte ein ohrenbetäubender Lärm durch das allgemeine Palaver. De LaBourdonnais war das von seinem sonstigen Betätigungsfeld, dem Café de la Régence durchaus gewohnt und ließ sich nicht stören, während es seinen Gegner reichlich nervös machte. Der Augenzeuge Walker berichtet: "Ich habe miterlebt, wie einer meiner Landsleute den Clubraum betrat, während die beiden Spieler über einer sehr kniffligen Stellung brüteten. Unser Freund schüttelt als Erstes jedem der beiden Spieler die Hand; dann schob er sich zwischen sie und betrachtete gemächlich die Stellung, wobei er sich mit beiden Händen mitten zwischen die Figuren auf das Brett stützte. Schließlich, nach einem halben Dutzend Fragen wie: "Ist das Ihre erste Partie heute?"..."Dieser Turm scheint ja in einer teuflischen Klemme zu stecken."..."Wer ist am Zug", ließ er es doch zu, dass die beiden Spieler Ihre Partie fortsetzten.“

Paulsen – der Bruder

Wilfried Paulsen (1828-1901), der Bruder des berühmten Schachmeisters Louis Paulsen war von Beruf Landwirt und ein bekannter Kartoffelzüchter. Doch auch vom königlichen Spiel verstand er so einiges und stand seinem Bruder im Können wohl nur um weniges nach. Beim Turnier in Aachen 1868 spielte er auch gegen Zukertort. In der Art eines bedächtigen Landmannes überlegte er in Ruhe seine Züge, während sich der temperamentvolle Gegner unters Publikum mischte und angeregt mit einer reizenden jungen Dame unterhielt. Paulsen aber saß regungslos, wie aus Stein gemeißelt am Brett. Endlich, nach 70 Minuten, "erwachte" er und führte zögernd den Zug Dd1-e2 aus. Worauf besagte Dame spontan rief., "Mein Gott, ist das ein närrisches Spiel! Erst überlegt er wer weiß wie lange, und dann macht er einen so kurzen Zug! "(sic). (AP)

Steinitz, der erste Schachweltmeister

Wilhelm Steinitz war ein glühender Verehrer des Komponisten Richard Wagner. Einst spielte er im Wiener Schachklub einige freie Partien mit einem Unbekannten, der sich schließlich mit der Bemerkung verabschiedete, er reise am nächsten Morgen nach Bayreuth, weil er als Cellist im Festspielorchester mitwirke. "Dann sehen sie ja Richard Wagner!' rief Steinitz. "Richten sie dem Meister aus, dass ich, der Weltschachchampion, ihn höher schätze als Mozart und Beethoven, ja, dass ich seine Musik als den Gipfel der Kunst ansehe!" Einige Wochen später ergab es sich, dass besagter Cellist wieder im Klub auftauchte. "Haben sie Wagner meine Worte übermittelt?" erkundigte sich Steinitz. Der Cellist nickte. 'Ja, und er meinte zu mir: 'Ihr Steinitz versteht von Musik wahrscheinlich so viel, wie ich vom Schach!" (AP)

Lasker, der Lehrmeister

Im Frühjahr 1895 hielt Emanuel Lasker in London Vorlesungen über das Schachspiel. Einmal wurde er von einem jungen Zuhörer gebeten, ihm doch ein paar Tips zum Zweispringerspiel zu geben. Lasker zeigte ihm rasch einige aktuelle Varianten. Sein Partner hörte ihm geduldig zu. Als Lasker zum Schluss gekommen war und ihn fragte, ob er sich nun einigermaßen auskenne mit dem Zweispringerspiel im Nachzuge, schüttelte der andere betrübt den Kopf und erwiderte: "Sie meinen ein ganz anderes Zweispringerspiel als ich. Meister Blackburne spielt hin und wieder gegen mich. Dabei gibt er mir seine beiden Springer vor, und ich komme einfach nicht an, gegen seine verflixte Eröffnung!" (AP)

Capablanca x3

1. Weltmeister Capablanca gab einmal eine Simultan-Vorstellung. Nach Beendigung kam einer der Herren zu ihm und fragte ihn, was er von seinen Schachkünsten hielt. "Das war ganz ordentlich", antwortete Capablanca, "ich habe mich nur während der Partie gefragt, warum Sie niemals einen Ihrer Springer gezogen haben." "Ja", sagte der Herr, "ich wusste nicht mehr, wie der Springer zieht."

2. In seinen besten Jahren konnte man J. R. Capablanca durchaus als einen schönen Mann bezeichnen! Er war von stattlicher Statur, schlank, elegant und von tadellosen Manieren. Bereits beim New Yorker Turnier von 1913 bemerkte die Presse nicht ohne ironische Untertöne, dass sich im Publikum weitaus mehr Frauen als Männer aufhielten. Während des Moskauer Turniers 1925 liefen ihm die Vertreterinnen des schönen Geschlechts förmlich nach. Da er im allgemeinen sehr schnell spielte, hatte er seine Partie meist viel früher beendet als seine Kollegen. Sofort sah Capablanca sich von einer gewaltigen Schar von Verehrerinnen umgeben, die ihm teures Konfekt anboten. Eifersüchtige Beobachter mussten diese Szenen wohl genau beobachtet haben, denn es hieß, dass der Weltmeister mindestens 200 Bonbonnieren erhalten habe. Was mag er mit diesem enormen Berg von Süßigkeiten angefangen haben? Beschenkte er die Zimmermädchen, oder nahm er alles als Souvenir mit nach Havanna? Das wird wohl für immer ein Rätsel bleiben! (AP)

3. Viele Legenden ranken sich um Capablancas Frauengeschichten. Aufgrund seiner angenehmen Persönlichkeit stand er bei Gesellschaften oft im Mittelpunkt des Interesses und war auch bei den Damen sehr beliebt. Capablanca war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Sein bekannter grober Einsteller gegen Sämisch in Karlsbad 1929 wird damit erklärt, dass überraschend seine Frau zum Turnier anreiste, während Capablanca gerade eine andere Liebschaft pflegte.

Nimzowitsch, einmal überlistet.

Aaron Nimzowitsch (1886-1935), der tiefgründige Stratege, gab grundsätzlich nur dann ein Autogramm, wenn der Bewerber gleichzeitig eines seiner Bücher kaufte. In diesem Falle trug er dann eine Widmung ein. Nun geschah es anlässlich eines Turniers, dass sich ein junger Mann an ihn heranpirschte und um den Namenszug des Meisters bat. "Gehen sie zunächst zur Kasse und erwerben sie dort mein neuestes Werk 'Mein System', dann erfülle ich ihren Wunsch", schnaubte Nimzowitsch. Doch besagter junger Mann war ein armer Teufel und wie er ohne Obolus in den Turniersaal gelangt war, wollen wir lieber schweigend übergehen. An den Buchkauf konnte er nicht denken. Doch er entdeckte unter den Zuschauern eine Dame seiner Bekanntschaft. An diese wandte er sich und bat um Unterstützung. Und o Wunder! Die "Kombination" ging voll auf! Mit honigsüßem Lächeln warf Nimzowitsch seinen Namenszug auf eine Karte und überreichte diese galant der Bittstellerin. Wer beschreibt seine Verblüffung, als er mit ansehen musste, wie die Karte sogleich dem dreisten Burschen von vorhin zugesteckt wurde. Dieser nahm die Beute in sichere Verwahrung und sagte zu dem verdutzten Maestro:" Sehen sie, verehrter Großmeister, das ist mein System!" (AP)

„Die Drohung ist stärker als die Ausführung!“
 
Grossmeister A. Nimzowitsch hatte eine empfindsame und explosive Natur. Er war in Meisterkreisen bekannt, dass er als Nichtraucher besonders anfällig dafür war, wenn ihn ein Gegner mit Zigarrenqualm einzunebeln versuchte. Beim Kandidatenturnier 1927 in New York hatte Nimzowitsch seinem Gegner Dr. Vidmar vor ihrer Partie gebeten, nicht zu rauchen. Der jugoslawische Grossmeister war einverstanden, allerdings nur mit der Einschränkung, dass
er nur dann eine Zigarre nehmen würde, wenn er in eine sehr schlechte Stellung kommen würde. Das Treffen verlief nikotinfrei- Dr. Vidmar gewann! Der verärgerte Nimzowitsch beschwerte sich daraufhin beim ungarischen Turnierleiter G. Maroczy, über das verdammte Rauchen. Erstaunt erwiderte der Turnierleiter: "Aber ihr Gegner hat doch gar nicht geraucht!" "So nicht geraucht sagen sie? Schlimmer als das er hat mich mit Rauchen bedroht! Ständig lag die Zigarre neben dem Schachbrett, so dass ich mir sagte machst du jetzt einen starken Zug greift er zur Zigarre. Wie kann ich dabei die Partie gewinnen? Und sie als Turnierleiter wissen selbst, dass die Drohung stärker als die Ausführung ist.



Sportberichterstattung

Der Hamburger Meisterspieler Paul Krüger (1871-1939) nahm in den zwanziger Jahren an einem kleinen Lokalturnier teil und wurde vom Reporter des Kreisblattes interviewt. Es stellte sich heraus, dass der Mann von der schreibenden Zunft nicht die leiseste Ahnung von Schach besaß, und Krüger ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihn kräftig zu veräppeln.

Am nächsten Tag lasen die erstaunten Abonnenten des Blättchens: "Die spannendste Partie der gestrigen Runde wurde zwischen dem Hamburger Meister Krüger und unserem Spitzenspieler M. ausgetragen. M. eröffnete als Anziehender diesmal mit den schwarzen Steinen. Der Gast parierte mit der gefürchteten Königstigervariante des Damenspiels, und es gelang ihm, den König frühzeitig ins Spiel zu bringen. In einer Serie kraftvoller Züge griff der weiße König die schwarze Dame an, jagte sie über das Schachbrett und lockte sie schließlich in eine tödliche Falle!" (AP)

Tartakower, Schachmeister aus Berufung

Savielly Tartakower (1887-1956), promovierter Jurist von Beruf, Schachmeister aus Berufung, gab einst in Wien eine Simultanvorstellung.

Dabei passierte es, dass er einen simplen Figurenverlust übersah. Als er das Malheur überdachte, trat der Kellner heran und servierte seinem Gegner einen Kaffee, den der geistesabwesende Großmeister im Handumdrehen austrank. Sein Kontrahent ärgerte sich so sehr darüber, dass er seinerseits einen Offizier einbüßte.

Zum Verlauf dieser Partie befragt, erklärte Tartakower: "Zuerst stellte ich eine Figur ein, dann mein Gegner einen Kaffee, und dieses Handicap war für ihn zu groß!“(AP)

Fähndrich, der Gönner

Meister Hugo Fähndrich, eine markante Gestalt im Schachleben der Donaumonarchie um die Jahrhundertwende, wurde vor Beginn eines Turniers von einem jungen Kollegen angesprochen. Fähndrich erfuhr, dass sich die sozialen Verhältnisse seines Gegenüber so radikal verschlechtert hätten, dass ihm die Teilnahme am Turnier schwer falle. Der gutmütige Meister zog seine Börse hervor und überreichte dem anderen ein ordentliches Seelenpflaster. Doch als er wenig später ein bekanntes Nobelrestaurant aufsuchte, traf er den Bedürftigen bei einem üppigen Mahl. Da klopfte ihm Fähndrich auf die Schulter und meinte freundlich: "Denken sie nicht auch, dass sie über meine Verhältnisse leben?“ (AP)

3x Wölfe – reizend, reisend und reißend.

Im Wien jener Tage gab es drei Schachspieler mit Namen Wolf . Der eine, Siegfried August mit Vornamen, war seiner Qualifikation nach der schwächste des Trios, fiel aber stets durch sein anziehendes Äußeres auf. Der zweite, Siegfried Reginald war von Beruf Geschäftsreisender. Der Dritte im Bunde, Heinrich, besaß Meisterstärke und schlug sich oft und mit Erfolg in der Turnierarena. Um Verwechslungen vorzubeugen, gaben ihnen die Vereinskameraden im Neuen Wiener Schachklub folgende Beinamen: Der reizende Wolf, der reisende Wolf und der reißende Wolf. (AP)

Aljechin und sein Lehrmeister?

Als Alexander Aljechin nach seinem Wettkampfsieg über Capablanca in die Alte Welt zurückkehrte, sprach ihn im Salon des Überseedampfers ein älterer Herr an und gab sich als guter Bekannter aus dem St. Petersburg der Vorkriegsjahre zu erkennen. Die Freude über das Wiedersehen stand ihm deutlich im Gesicht, und lebhaft redete er auf Aljechin ein. Der frischgebackene Weltmeister reagierte verlegen: Er konnte sich nicht daran erinnern seinem Gegenüber jemals begegnet zu sein. Dieser zeigte sich untröstlich, nannte Stätten ihres Zusammenseins, die Namen gemeinsamer Bekannter, umsonst: Aljechin zuckte nach wie vor die Achseln. Der andere wurde immer hitziger: "Aber sie müssen sich doch jenes Neujahrsabends entsinnen, es war wohl 1910 oder 1911, als wir beide mutterseelenallein im Cafe 'NEWA' hockten? Ich ließ durch den Kellner ein Schachspiel und Figuren holen und brachte ihnen die Spielregeln bei! Apropos: Spielen sie überhaupt noch Schach?" (AP)

Carl Carls – 1.c4

Der starke Bremer Meister Carl Carls (1880-1958) eröffnete mit den weißen Steinen stets mit 1.c4. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche und in Deutschland hieß die Eröffnung mit 1.c4 deshalb auch lange Zeit Bremer Eröffnung. Eines Tages setzte er sich zu einem Mannschaftskampf ans Brett, griff mit Schwung nach dem c-Bauer und mit einem Ruck flog die Spielplane in die Luft und die darauf befindlichen Figuren quer durch den Turniersaal - mit Ausnahme des c-Bauern. Seine Mannschaftskollegen hatten in der Nacht diesen am Brett von Carls mit starkem Klebstoff festgeklebt.

Kagan, ein wirklich großzügiger Verleger

Zu dem verdienstvollen Berliner Meister und Schachverleger Bernhard Kagan kam in den Inflationsjahren ein junger Mann, ziemlich abgerissen und heruntergekommen, und legte ihm das Manuskript zu einem Schachlehrbuch vor. Kagan sah sich das Opus an und erkundigte sich vorsichtig: "Was wollen sie denn dafür haben?' "Ich dachte etwa an 5 Millionen", erwiderte der stolze Verfasser. "Wissen sie was", gab Kagan zurück, "ich zahle ihnen 10 Millionen, und wir lassen es ungedruckt!" (AP)

Sämisch – immer in Zeitnot

1. Fritz Sämisch (1896-1975), der respektable Großmeister, der fast in jeder Turnierpartie in Zeitnot zu geraten pflegte, sollte in einer norddeutschen Kleinstadt eine Simultanvorstellung geben. Als er schließlich mit einiger Verspätung im Spielsaal eintraf, war seine Kleidung ziemlich derangiert und sein Gesicht wies frische Hautabschürfungen auf. "Um Gottes willen, was ist denn passiert?" wurde er von seinen Schachfreunden gefragt, die ihn sofort umringten. "Ach", meinte Sämisch, "ich war etwas spät dran und lief in Eile über die Straße, da hat mich ein Motorradfahrer erwischt!' Da kam eine vorwitzige Stimme aus der Runde: "Also wieder die leidige Zeitnot!" (AP)

2. Bei einem Turnier spielte Tröger gegen Sämisch, Sämisch überschritt die Zeit, merkte es nicht und brütete weiter über der Stellung. Tröger bat den Schiedsrichter "aus journalistischem Interesse", Sämisch nicht zu stören. Er wollte herausfinden, wie lange es dauern würde, bis er seine Zeitüberschreitung bemerkte. Es dauerte. Endlich, nach nicht weniger als 40 Minuten blickte Sämisch hoch, schaute auf die Uhr und reichte die Hand zur Gratulation.

3. Nach dem Krieg hatte Sämisch, ein Lebenskünstler ohnegleichen, was nichts anders meint, als dass er auch mit weniger als nichts seinen Lebensunterhalt zu bestreiten wusste oder musste, ein bescheidenes Auskommen als Schachprofi, indem er Partien in einem Mannschaftswettbewerb gegen Geld bestritt. Bezahlt wurde er pro Zug und sofort. Das heißt: Nach jedem Zug bekam er eine Mark. Der Mannschaftsführer saß neben ihm und legte tatsächlich nach jedem von Sämisch gemachten Zug eine Münze auf den Tisch. Irgendwann ging dem Zahlmeister das Münzgeld aus. Und Sämisch zog nicht mehr. Eiligst konnte ein Schein gewechselt, der letzte Zug abgegolten werden. Und als die Münze den kleinen Stapel vergrößerte, erwachte der Meister und machte seinen nächsten Zug.

Botwinnik als Vermittler

Das Match-Turnier um die Weltmeisterschaft 1948 wurde bekanntlich in zwei Etappen ausgetragen. Nach den Auftaktrunden in Holland reisten die Akteure mit ihrem gewaltigen Tross in einem Sonderzug gen Moskau. Bei der Grenzkontrolle in Brest interessierten sich die Zöllner besonders für die diversen Koffer von Dr. Euwe, die fast ausschließlich mit Schachliteratur gefüllt waren. Umständlich begannen die Ordnungshüter, eine Liste sämtlicher Titel anzufertigen. Der Aufenthalt drohte den Fahrplan für die gesamte Weltmeisterschaft durcheinander zu bringen!

Da verschwand Botwinnik mit dem Natschalnik im Bahnhofsgebäude, um eine bestimmte Moskauer Nummer anzurufen. Bald kam er zurück mit froher Kunde: Das Verfahren sollte abgekürzt werden. Es genüge, wenn Euwe eine Erklärung unterschreibe, der Inhalt der Bücher richte sich nicht gegen die UdSSR! Das war rasch erledigt. Botwinnik setzte noch mit schiefem Lächeln hinzu: 'Man sollte noch den Passus hinzunehmen, die Bücher richten sich auch nicht gegen die sowjetischen Schachspieler!" (AP)

Euwe, der Standhafte

Dr. Max Euwe, langjähriger Vorkämpfer Hollands und Schachweltmeister von 1935 bis 1937, gehörte zu den überzeugten Abstinenzlern. Beim Abschlussbankett eines internationalen Turniers hatten sich seine Meisterkollegen verschworen, den langen Max zu Fall zu bringen. Die Barmädchen wurden in das Komplott eingeweiht. Sie gaben sich auch redliche Mühe, versprühten sämtlichen Charme, und hier und dort wurde wohl auch zu einer weiblichen List gegriffen. Doch Euwe blieb standhaft wie ein Fels in der Brandung und wehrte die Versucherinnen ab wie zuvor im Turnier die wütenden Attacken seiner Gegner. Die Verschwörung endete nach etlichen Stunden mit einer totalen Niederlage der unheiligen Allianz! (AP)

Smyslow und ‚Mein Kampf’

Wassili Smyslow trug in den fünfziger Jahren drei Weltmeisterschaftswettkämpfe gegen Botwinnik aus. Der erste endete unentschieden, der Titel blieb beim "Patriarchen", wie man Botwinnik seinerzeit in seiner Heimat nannte. Beim zweiten Anlauf holte sich Smyslow die WM-Krone. Doch er wusste, dass ihm ein neuerliches Treffen mit Botwinnik bevorstand, denn dieser besaß das Revancherecht. In Wien erklärte er den Journalisten: "Ich habe jetzt 46 Matchpartien mit Botwinnik gewechselt. Bei meiner Titelverteidigung im nächsten Jahr kommen noch etwa zwei Dutzend dazu. Wenn alles hinter mir liegt, werde ich darüber ein Buch schreiben mit dem Titel 'Mein Kampf'! (AP)

Michail Tal, der Gedächtniskünstler

Während der 24.UdSSR-Schachmeisterschaft in Moskau versuchte Aivar Gipslis, das phänomenale Gedächtnis seines lettischen Landsmann Michail Tal zu testen, indem er ihm eine Fangfrage stellte: "Mischa, kannst du dich vielleicht erinnern, welche Variante des Damengambits Keres als Weißer gegen Boleslawski in der dritten Runde beim 20.Championat gespielt hat?' Tal runzelte die Stirn. "Willst du mich auf den Arm nehmen? Diese Partie wurde nicht in der dritten sondern erst in der letzten Runde ausgetragen. Außerdem hatte Boleslawski Weiß und nicht Keres. Und schließlich: Es wurde kein Damengambit gespielt, sondern ein geschlossener Spanier!" (AP)

Petrosian und die Dame

Von Damen auf dem Schachbrett kann man so manches Liedchen singen! So passierte Tigran Petrosjan beim Kandidatenturnier in Amsterdam 1956 ein furchtbares Missgeschick. In haushoher Gewinnstellung gegen Bronstein 'vergaß' er wohl den Zickzack-Zug Springers, denn er ließ einfach seine 'bessere Hälfte' auf d6 durch einen Sf5 wegputzen. Da war es wohl nur ein schwacher Trost für ihn, dass Bronstein beim Schlussbankett mit einer netten Geste aufwartete: Dieser wählte sich aus der riesengroßen Schachtorte just das Stück mit der Zuckerguss-Dame aus und reichte es dem Armenier, er gab ihm sozusagen die eingestellte Figur zurück! (AP)

Spasski, seine Partien kennt man

Bei der 29. Landesmeisterschaft der UdSSR in Baku hatte Boris Spasski eine schwierige Hängepartie gegen Schamkowitsch. Schweren Herzens begab er sich zum Austragungsort, dem städtischen Opernhaus. Als er die Freitreppe emporstieg, merkte er, dass er seinen "Propusk", den Teilnehmerausweis vergessen hatte, den man dem Pförtner vorzuweisen hatte. Er hoffte, unbemerkt durchschlüpfen zu können, doch sein Vorhaben misslang. Der gestrenge Zerberus ließ sich zunächst nicht erweichen, er bestand auf dem Papier. "Ja, kennen sie mich denn nicht?" rief Spasski, "ich bin doch der Tabellenführer in der Meisterschaft, jetzt muss ich zur Hängepartie!" Und er zog sein Taschenschach hervor und zeigte dem Pförtner die Abbruchstellung. "Ach so, sie sind also wirklich Spasski? Ja, gehen sie nur, sie stehen ja sowieso auf Verlust!" Und tatsächlich musste Spasski rund zwanzig Züge später die Waffen strecken!